woran erkenne ich eine geschiedenen Frau

 

zum Tag der Armut
mundtot gemacht 
  1. Tag für Tag einkaufen, nach dem Bezahlen an der Kasse, packt sie alles ein, geht mit der Tasche zum Packtisch, packt die Ware aus und wirft die leeren Verpackungen weg.
  2. Sie kocht den ganzen Tag Mini Portionen, kann keine gefüllten Menu Teller verschlingen und den restlichen Tag erschöpft herumliegen.
  3. Allein in ihrer Wohnung kann sie keine traurigen Hörspiele ertragen, aber klassische Musik.
  4. Sie geniert sich. Das wissen die Bankangestellten und deshalb können die immer wieder ihr Vorgehen anwenden.
  5. Alle Geschiedenen erzählen niemandem, wie und was alles Geschah. Die Polizei fand ihre Leiche erhängt in ihrer kleinen Wohnung irgendwo in einem Quartier.
  6. So lange es geht versteckt sie sich in ihrem Haus bis zum Verkauf.

Zur öffentlichen Probe der Oper Herzog Blaubarts Burg, Konzert und Theater Bern

Herzog Blaubart
Herzog BlaubartDer rote Giftzwerg, Herzog Blaubart, glänzt feurig in seiner Festung aus rosa lackierten Holztüren, eine beengende Box, skalierter Tunnel, mit gefährlicher Neigung wird zum Gefängnis.Die Ehe für Judith ein Risiko aus Neugier.

Erzwungen der Pro- und Epilog, mit einer nach Worten suchenden Schauspielerin, stelzend in Highheels. Zu mutig nimmt sie die Überraschung der automatische Türen vorweg.
Herzog Blaubarts schleichenden Schritte, die kleinen, behandschuhten Hände können nur greifen, haben wollen, besitzen – aber in präziser Gestik. Für diesen tiefsten, dunkelsten Bariton zeigt Bela Bartoks kompakte Oper eine spannende Bedrohung der Figur Judith und für das Publikum eine Inspiration auf höchster Ebene.
Trotz der rauen Geräusche, dem blinden Licht, der 128 automatischen Türen, dem gut zu beobachtenden Orchester, den Bildschirmen zum Nachlesen des Librettos, bleibt die Musik das spürbare, führende Element.
Mit kräftiger Stimme, starkem Mezzosopran überzeugt Judiths Neugier bis zur letzten siebten Tür, tötet die Liebe und mit dicken Gummisohlen an den Schuhen, klebt das Paar, um nicht auszurutschen, hinabzufallen, in der Burg fest. Monoton endet diese Ehe.

 

Zur öffentlichen Ballettprobe von Frankenstein in der Vidmarhalle1, Konzert Theater Bern am 6. März 2015  

Der schwere Stoff der langen Mäntel flattert und verweht die Choreografie, als Frankenstein und sein Erfinder gestärkt und erhoben von je fünf Tänzern, die Illusion von Kraft verkörpernd, ihre Bewegungen formen ohne Schockwirkung oder Gruseleffekt. Dieser Kampf könnte ein automatischer Tanz werden, die Reaktion als Monster leben zu müssen.
Noch wird experimentiert mit viel Theorie.
Stopp, keiner weiss weiter. Die Improvisation bleibt aus.
Eine Tänzerin in grüner Trainingshose gleitet herein. Sie ist keine Schlangenfrau aber tanzt die Musik, es wird laut. Ihr Körper entspannt, kugelrund, rutscht beschleunigt die Rampe hinunter ist Skateboard oder Bike. Sie entführt in ihre glückliche Bewegungswelt. Nur Bruchstücke der Choreografie werden wiederholt und zeigen ein neues, ausgesuchtes Detail. Jeder Fuss auf einem kauernden, kriechenden Rücken. Die Arbeit des Choreografie Assistenten beginnt mit dem exakten Handgriff für den japanischen Tänzer die Partnerin in seine Umarmung zu lenken. Ein fester Halt für beide, ein sicheres Weiterentwickeln. Er ist nicht Frankenstein nur durch das gelbe, stumpfe Haar. Sie sind ein verjagtes, japanisches Tänzer Paar in die Schweiz geflohen. Ihre Versuche sich einander anzunähern dürfen nicht zu geübt sein. Der entstehende Tanz ist nur zu unterbrechen und zu korrigieren, damit der erste Eindruck für jede einzelne Szene den Tänzern erkennbar wird und die entwickelten Improvisationen verlangsamt als Wahrnehmung speichert werden können. Auch dem Publikum ein Echo der Erinnerung bleibt, die Assoziation zum Roman.